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Kursangebot: Serie und Science Fiction

The Orville ist (fast) das Beste an Star Trek

Seth MacFarlane hat immer betont, dass die von ihm kreierte Serie „The Orville“ seine persönliche Hommage an Star Trek ist – Fan Fiction aus der Branche also. Auch in seinen anderen Formaten wie „Family Guy“ wimmelt es von Anspielungen auf die beiden großen SiFi Ikonen Star Wars und Star Trek. Aber was macht jenseits der popkulturellen Verweise die Beziehung von Star Trek und „The Orville“ aus?

Seth MacFarlanes Serie ist jedenfalls mehr, als der Versuch, „heimatlos“ gewordene Trekkies als Zuschauer*innen zu gewinnen, wie ein näherer Blick auf den Ansatz des Star Trek Schöpfers Gene Roddenberry zeigt.

Das All ist alles andere als wüst und leer

Als der Kosmonaut Juri Gagarin als erster Mensch ins All flog, meldete er aus der Umlaufbahn, dass er dort draußen keinem Gott begegnet sei. Die kommunistische Führung der UdSSR hörte das gerne. Die US-Amerikaner, die ihrem Staat immerhin den Leitspruch gegeben haben „In God we trust“, fühlten sich einmal mehr herausgefordert.

Auf dem Höhepunkt des Wettlaufs ins All (und vor allem auf den Mond) ging die von Gene Roddenberry entwickelte Serie „Star Trek“ auf Sendung (1966-1969), mit bekanntlich mäßigem Erfolg. Das Thema „Raumfahrt“ war zu diesem Zeitpunkt fester Bestandteil des Kalten Krieges, aber Roddenberry bediente das amerikanische Sendungsbewusstsein kaum, es gab kein Kennedy-Polit-Pathos und keine Inszenierung der amerikanischen Techniküberlegenheit. Roddenberry nahm die Frage der Zukunftsvision ernst: Nicht nur die Technik hat sich im Star Trek-Universum weiter entwickelt, sondern vor allem die Menschen in ihrer Einstellung zu sich selbst. Das bedeutete aber auch, dass seine Serie den Missständen seiner Gegenwart den Spiegel vorhielt, etwas, das nicht allen gefiel. Es gelang ihr aber aufgrund dieses besonderen Ansatzes – eine Utopie über die Menschheit, die sich aber immer wieder ihrer fehlerhaften Vergangenheit stellen muss – eine Fangemeinde zu gewinnen, die sich für die Fortführung der Serie einsetzte. Schnell war klar: Star Trek das ist mehr als Lasergefechte und Außerirdische mit Gummi-Masken; Star Trek ist vor allem eine Weltsicht, eine Philosophie und die Serie konnte daher vor allem jene begeistern, die diese Philosophie teilten.

Aliens sind auch nur Menschen

Ohne Glauben zum Glauben an die Menschheit

Star Trek war nicht die einzige Serie, die Gene Roddenberry entwickelt hat, aber in ihr konnte er seiner Ideologie am besten Ausdruck verleihen. Das war sein Ziel: Nicht nur leicht verdauliche Unterhaltung sondern Haltung – und das in einer Branche in der gerne gewitzelt wird „Wenn du eine Botschaft hast, dann geh zur Union Pacific“ (gemeint waren die Telegraphen Büros und sollte bedeuten: In Hollywood ist kein Platz für Botschaften).

Roddenberry hat sich stets als Humanist bezeichnet. Damit wollte er zum Ausdruck bringen, dass die Menschheit in der Lage ist, sich selbst durch Einsicht und Vernunft zu verbessern und dazu gehört auch, dass sie dabei der göttlichen Hilfe nicht bedarf. Im Mittelpunkt einer jeden Ethik darf nur der Mensch stehen und das ist eben nicht gleich bedeutend mit Hybris und Rücksichtlosigkeit.

Roddenberry ist im amerikanischen Süden geboren und aufgewachsen, wo man traditionell und religiös ist. So auch seine Mutter, mit der er jeden Sonntag in die Kirche ging. Doch sobald er das Alter kindlicher Begeisterung verlassen hatte, stellte er fest: „[…] it was clear to me that religion was largely nonsense“ – und das galt für die etablierten Religionen ebenso wie für die auf Esoterik beruhenden Ersatzreligionen der Hippie-Zeit.

Roddenberry sah in Religionen eher eine Gefahr: Sie fanatisieren Menschen und schaffen unüberwindbare Vorurteile. Mit der Erde verlässt der Mensch bei Roddenberry auch überkommene Strukturen wie Religion, „Stammeskriege“, Machthunger und – gefälle, Rassendenken und soziale Ungerechtigkeit. Im Glauben der Menschheit an sich selbst und ihre Fähigkeiten liegt ihre Rettung.

Frau an Bord bringt Unglück

Ein Raumschiff ist zunächst einmal ein Schiff. Daher lehnte Roddenberry die Strukturen an Bord der „Enterprise“ an die Navy an. Kenntnisse vom Militär brachte er selber mit: Er war Pilot bei der US Airforce gewesen. Als der Sender ihn aber darauf hinwies, dass es dann auch einen Kaplan an Bord bräuchte, lehnte er das ab. Statt dessen wollte er den Posten des 1. Offiziers mit einer Frau besetzen (gespielt von seiner Ehefrau Majel Barrett). Das ging dem Sender jedoch zu weit: 1966 konnte und wollte sich keiner vorstellen, dass eine solch verantwortliche Position von einer Frau wahrgenommen werden kann. „The Orville“ verwirklicht diese Idee gut 50 Jahre später: Mit Kelly Grayson ist nicht nur eine Frau 1. Offizier sondern auch gleich die Ex-Frau des Kapitäns.

Roddenberry bezeichnete sich schon in den 60ern als Feminist: In seiner Zukunft spielt das Geschlecht keine Rolle mehr, wenn es um die Beurteilung von Fähigkeiten und die Karriere-Chancen geht, ein Thema, das „The Orville“ immer wieder aufgreift. Mit Lt. Uhura schuf Roddenberry eine Figur, die nicht nur Frauen in militärischen Führungspositionen zeigt, sondern auch ein wichtiges Signal für die Black Community war. Als die Darstellerin Nichelle Nichols aus der Serie aussteigen wollte, soll es angeblich Dr. Martin Luther King gewesen sein, der sie bat, weiterzumachen: Ihre Vorbildfunktion war ohne Gleichen. Das betonte auch Whoppi Goldberg, die sich bei der Neuauflage von „Star Trek – The Next Generation“ geradezu aufdrängte. Roddenberry wollte sie erst nicht: Sie war zu berühmt. Sie wollte aber unbedingt dabei sein „und wenn sie nur eine Bar leiten dürfe“. Die Figur der Guinan war geboren, die in 10-Vorne Weisheiten und Drinks verteilt.

Das All wird zum Wohnzimmer, das Wohnzimmer zum All (Szenenfoto „The Orville“)

Die Zukunft als Erbe

1991 starb Gene Roddenberry, seine Asche wurde ins All gebracht. „Star Trek“ ging an Macher, die sich seiner humanistischen Philosophie nur bedingt verpflichtet sahen, zwar näherte sich „Star Trek Voyager“ dieser ursprünglichen Idee wieder an, besetzte etwa den Posten des Kapitäns mit einer Frau, aber man wollte keinen „naiven“ Weltgeist der 60er mehr: Die Konfliktlagen auf der Welt waren nach dem Ende des Kalten Krieges komplizierter geworden. Fans kritisierten zusehends das reine Ausschlachten ikonographischer Figuren wie Spok und Picard.

Und gerade das scheint dem Fan Seth MacFarlane keine Ruhe gelassen zu haben. Gene Roddenberry war ein Visionär – sollte es da nicht möglich sein, sein Serienkonzept ins 21. Jahrhundert zu übertragen? Im September 2017 startete die Orville beim Sender Fox ins All, wohl wissend, dass man vor allem die Trekkies würde überzeugen müssen, die zwar popkulturelle Anlehnungen an „ihre“ Serie zu schätzen wissen, aber umso kritischer auf die Ausführung schauen.

Ist es „The Orville“ gelungen, humanistische Botschaft und Unterhaltung, Parodie und Hommage, Zukunft und Erbe zu verbinden?

Dieser Frage werde ich nachgehen in dem Kurs „The Orville – Im All sind wie die besseren Menschen“: Dien. 17.03.2021 und Dien. 24.03.2021 jeweils um 16 Uhr in Zusammenarbeit mit dem Katholischen Bildungswerk Rhein-Sieg.


Filme über das Schreiben

Auf die Leinwand geschrieben

Filme über das Schreiben sind meist Filme über Menschen, die schreiben und nicht zu verwechseln mit Literaturverfilmungen – es sei denn, es geht in dem Roman wiederum um jemanden, der schreibt. Und wovon handeln Filme, wenn sie vom Schreiben handeln? Oder anders gefragt: Der Film ist vor allem ein visuelles Medium und was sieht man, wenn wer schreibt? Eine Person, die mit den Mitteln ihrer Wahl oder ihrer Zeit schreibt: Mit der Feder, dem Stift, der Schreibmaschine, dem Computer; und, Hand aufs Herz: Wer geht für so was schon ins Kino? Dennoch gibt es erstaunlich viele Filme übers Schreiben, denn ganz klar: Ohne das Geschriebene (Drehbuch oder Vorlage) gäbe es die meisten Filme nicht. Noch immer ist die Aussage „Wir haben das ohne Script gemacht“ wie Schwimmen ohne Badehose: Kann man machen, gilt auch als mutig, ist aber ein bisschen fragwürdig.

So liegt das Schreiben (beinahe) jedem Film zugrunde und ist die Welt, die den Autorinnen und Autoren vertraut ist. Löst aber das Problem nicht: Was zeige ich, wenn ich einen Film über das Schreiben mache? Die alltägliche Arbeit von Autorinnen und Autoren ist für äußere Betrachter*innen so sagenhaft langweilig, dass es mich schon öfter gereizt hat, einen live stream mit dem Titel „Seien Sie live dabei, wenn ein Roman entsteht!“ zu starten. Der Akt des Schreibens ist in Filmen daher lediglich den Höhe- und Wendepunkten vorbehalten: Schreiben als Katharsis, als großer Moment der Selbstfindung, als Auf- und Durchbruch. Die Schreibenden gebärden sich dabei eher wie Dirigenten: Schwitzend rauscht die Feder über das Papier, die Lippen bewegen sich mit („Goethe!“), es wird in die Schreibmaschine gedroschen („Kill your Darlings“), immer wieder wird Papier herausgerissen und zerknüllt („Trumbo“ und beinahe jeder Film, in dem analog geschrieben wird – mal ehrlich: Schriftsteller*innen werfen Zeilen, mit denen sie nicht ganz zufrieden sind, nicht sofort weg, wir leben alle in diesen Bergen von „das könnte doch noch mal für was gut sein“ Aufzeichnungen). Aber es wirkt halt so schön dramatisch, wir sehen: da leidet eine(r).

Szenenfotos aus „Kill your Darlings“ mit Daniel Radcliffe als Ginsberg und Philippe Seymour Hoffman als Truman Capote (copyright: Autor)

In digitalen Zeiten ist das etwas schwieriger auf die Leinwand zu bannen. Computer sind eher leise Gesellen (von wegen klappernde Schreibmaschine, gibt es aber als sound-app, um Mitbewohner*innen einzuschüchtern) und sie vertragen auch keine unsanfte Behandlung. Von den Turbulenzen schriftstellerischer Vergangenheit ist uns nur der Cursor geblieben. Der blinkt da so vor sich hin und fragt uns: „Kommt da noch was? Wie lange willste noch nachdenken? Besser wird’s eh nicht. Soll ich schon mal den Bildschirmschoner anwerfen? Ein „Komma“, echt jetzt, taptaptaptap.“ Aber auch der lässt sich wunderbar in Szene setzen: In „Sex in the City“ etwa endet die Exposition jeder Folge damit, dass Carrie die Leitfrage in den Computer tippt und der blinkende Cursor uns zeigt: Jetzt geht die Story los.

Die Schriftsteller*innen von heute leiden aber offenbar weniger an der Welt und sich selbst, sondern am nächsten PC Update. Vielleicht sind Filme über Schreibende daher oft Filme über verstorbene Künstler*innen oder Komödien. Im wesentlichen gibt also zwei Arten von Filmen über das Schreiben:

– Künstler*innen-Biografien; das Thema ist oft Selbstwerdung, Empowerment (weibliche Autoren), Lebenskrise

– Filme über das Produkt des Schreibens, gerne mit erfundenen Autor*innen; dabei geht es oft um die Verwischung von Realität und Fiktion, um Realitätsverlust und das kann sehr lustig aber auch sehr bedrohlich sein.

Und wozu brauchen Menschen, die nicht schreiben, Filme über das Schreiben? Zum einen natürlich zum Wissensgewinn: Man lernt etwas über eine berühmte Figur, in dem Fall hoffen wir, dass der Film sich an die Fakten hält. Zum anderen, um sich diesem komischen Ding „Phantasie“ anzunähern: Wir alle haben irgendwann in unserem Leben mit einer Geschichte zu tun, die sich jemand ausgedacht (und meist zu Papier gebracht) hat, oft hatte das sogar einen großen Einfluss auf uns, unser Selbstbild oder unser Verständnis von der Welt. Aber wo kam das her? Es ist ebenso verheißungsvoll wie unheimlich, wenn da jemand sitzt und man eben eigentlich gar nichts sieht, aber ahnt: In diesem Kopf entsteht „Harry Potter“, „Game of Thrones“, „On the Road“, „American Psycho“ oder oder oder. Filme über das Schreiben versuchen daher oft einen Zusammenhang zwischen Werk und Autor*in herzustellen, um eine Erklärung zu finden: Wie kam Hemingway an den Fisch? Wie war das mit den Visionen von Philipp K. Dick? War Jane Austen wirklich dauernd auf der Suche nach Mr. Darcy?

In den folgenden Monaten werde ich in diesem Blog also Filme über das Schreiben vorstellen (Ausflüge in Serien möglich, „Star Trek“, „Supernatural“ und Co. kennen Folgen über das Schreiben). Von sehr bekannten („Shakespeare in Love“) bis weniger bekannten („Naked in New York“). Die Liste ist vermutlich endlos erweiterbar und Vorschläge sind jederzeit willkommen!


Fun Facts

Unnützes Wissen: Film!

Alles, was es rund um das Kino zu berichten gibt – natürlich auch Fun Facts:

  •  Jack Nicholson lehnte die Rolle im „Paten“ ab, weil er sich selbst nicht italienisch genug fand.
  • Gefragt, warum er Schauspieler geworden sei, antwortete Robert Mitchum, dass sei besser als zu arbeiten.
  • Alec Guinness soll bei den Dreharbeiten zu „Star Wars“ Mark Hamill angeblich einen Dollar angeboten haben, für jeden Tag an dem er sich vom Set fernhielt.
  • Der Satz, der in Filmen am häufigsten gesagt wird ist „Nichts wie weg hier“ in verschiedenen Variationen – und wird gerne in Situationen gesagt, in denen keiner vorhat zu bleiben.
  • Diese Sätze wurden im Original nie gesagt: „Ich schau dir in die Augen, Kleines“ aus „Casablanca“. Rick (Humphrey Bogart) sagt tatsächlich zu Ingrid Bergman: „Here´s looking an you, kid!“ – ein Trinkspruch, der mehrmals im Film verwendet wird.

    „Mein Baby gehört zu mir“ aus „Dirty Dancing“. Tatsächlich wird gesagt: „No one puts my baby in the courner“ – also sinngemäß: Niemand drängt meine Freundin in die Ecke, eine wahrlich andere Bedeutung.

  • In „Dark Star“, einer SiFi-Parodie von John Carpenter aus dem Jahr 1974, wird zum ersten Mal in der Filmgeschichte der Ausdruck „Alien“ für eine außerirdische Lebensform gebraucht.
  • „Oliver Twist“ von Charles Dickens (1812-1870) gilt mit 26 Verfilmungen als der Roman, der am häufigsten verfilmt wurde.
  • Für die Szenen der brennenden Stadt Atlanta („Vom Winde verweht“) wurden die Kulissen von King Kong in Brand gesetzt.
  • Die Rolle des Serg. Ripley in „Alien“ war ein Mann vorgesehen. Als mit Sigourney Weaver eine Frau den Part übernahm, hat man am Drehbuch nichts geändert.
  • „Bambi“ (Disney-Film von 1942) steht auf der Liste der 10 schrecklichsten Horrorfilmen aller Zeiten, weil der Tod von Bambis Mutter Generationen von Kindern traumatisiert hat.
  • George Lucas hat David Lynch als Regisseur für „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ angesprochen. Beim Anblick der Ewoks soll Lynch abgelehnt haben.